Datenschutz in modernen Autos: Risiken bei BYD und Google auf kfzpamperl.at
April 4, 2025

Datenschutz in modernen Autos: Risiken bei BYD und Google

Autos sind schon lange nicht mehr nur fahrbare Untersätze, die uns von A nach B bringen. Heutige Fahrzeuge sind rollende Computer, vernetzte Plattformen mit Sensoren, Kameras, Mikrofonen und Software, die mehr über uns wissen als so mancher Lebenspartner. Die Sache ist nur: Was passiert mit diesen Daten eigentlich? Wer kriegt sie? Und noch viel wichtiger – wer dürfte sie überhaupt bekommen? Gerade wenn es um Hersteller wie BYD aus China oder Tech-Giganten wie Google geht, schrillen bei Datenschützerinnen und Datenschützern sämtliche Alarmglocken.

Die Autoindustrie hat das Smartphone verschluckt

Während das klassische Auto jahrzehntelang ein eher analoges Wesen war, hat sich mit der Digitalisierung alles verändert. Fahrzeuge funken mittlerweile konstant mit Cloud-Servern, navigieren in Echtzeit durch den Stau, analysieren das Fahrverhalten und schlagen sogar Spotify-Playlists vor, die zum Gemütszustand passen. Das Auto weiß, wann du bremst, wo du einkaufst, wie lange du bei der Ex vor der Tür stehst. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass dein Auto heute ein smarteres Gerät ist als dein Smartphone – nur dass du’s nicht permanent in der Hand hast, sondern es dein Leben auf vier Rädern protokolliert.

Datenschutz? Nur auf dem Papier richtig scharf

Wenn man in die bunten Broschüren der Hersteller schaut, klingt alles wie ein Paradies. „Ihre Daten gehören Ihnen“, heißt es da oft. In der Realität ist es aber so: Die gesammelten Daten landen auf Servern, werden anonymisiert, ausgewertet, weitergeleitet. Klingt harmlos, doch wer garantiert, dass anonymisierte Daten nicht doch mit anderen Infos zusammengeführt werden können? Die DSGVO bietet theoretisch Schutz, aber wie dieser praktisch durchgesetzt wird, steht auf einem anderen Blatt. Die Rechtslage hinkt der Technologie gnadenlos hinterher, vor allem wenn internationale Player im Spiel sind.

Wenn China fährt, fährt China mit

BYD ist aktuell auf dem Vormarsch. Der chinesische Hersteller, der in seiner Heimat längst die Nummer eins ist, drängt massiv auf den europäischen Markt. Preislich attraktiv, technologisch vorne mit dabei – aber wie steht’s um den Datenschutz? Kritiker werfen BYD und anderen chinesischen Herstellern vor, die gesammelten Fahrzeugdaten könnten in staatliche Systeme eingespeist werden. Ob das tatsächlich passiert, lässt sich schwer überprüfen, denn Transparenz ist bei vielen dieser Firmen ein Fremdwort. Was wir aber wissen: In China herrscht keine europäische Datenschutzphilosophie. Was der Staat wissen will, das bekommt er auch.

Vertrauen ist gut, Kontrolle fehlt

Ein Hauptproblem ist: Der Fahrer oder die Fahrerin weiß oft gar nicht, was genau gespeichert wird. Selbst wenn du dich durch seitenlange Nutzungsbedingungen wühlst, bleibt vieles schwammig. Wer liest schon AGBs, die länger sind als die Anleitung für einen IKEA-Schrank? Selbst IT-Profis tun sich schwer damit, den Datenfluss eines modernen Autos komplett zu durchschauen. Klar ist nur: Es fließt eine Menge. Standort, Geschwindigkeit, Bremsverhalten, Sitzposition, Innenraumkamera – alles Daten, die sich analysieren, verkaufen und gewinnbringend verwenden lassen.

Google kommt ins Auto – und bleibt dort

Wer glaubt, es seien nur die Hersteller selbst, die Daten sammeln, liegt daneben. Tech-Giganten wie Google haben längst einen festen Platz im Auto erobert. Android Automotive ist auf dem Vormarsch und ersetzt bei vielen Modellen bereits die bordeigene Benutzeroberfläche. Praktisch? Ja. Gefährlich? Möglicherweise. Denn Google verdient sein Geld nicht mit Autos, sondern mit Daten. Und je mehr Google über dich weiß – wo du hinfährst, wie oft du tankst, welche Musik du hörst – desto besser kann personalisierte Werbung ausgespielt werden. Wer da nicht hellhörig wird, hat noch nie von Cambridge Analytica gehört.

Österreichs Auto-Fans sind skeptisch

Laut einer aktuellen Studie sagen 43 Prozent der österreichischen Autofahrer, dass sie sich wegen Datenschutzbedenken gegen ein Auto aus China entscheiden würden. Das ist ein deutliches Signal. Datenschutz ist längst ein Kaufkriterium geworden – genauso wie PS, Reichweite oder Verbrauch. Gerade junge Fahrerinnen und Fahrer, die mit digitalen Medien großgeworden sind, schauen genauer hin. Sie wollen nicht nur ein cooles Auto, sondern auch Kontrolle über ihre persönlichen Daten.

Zwischen Fortschritt und Überwachung

Natürlich ist nicht alles schlecht. Moderne Fahrzeuge können Leben retten, weil sie mit Assistenzsystemen schneller reagieren als der Mensch. Sie helfen beim Einparken, erkennen Müdigkeit, warnen vor Hindernissen. Aber mit jedem Fortschritt steigen auch die Möglichkeiten zur Überwachung. Die Grenze zwischen Komfort und Kontrolle ist fließend. Wer heute ein Auto fährt, gibt eine Menge preis – freiwillig oder nicht. Und je mehr Funktionen man nutzt, desto mehr Daten fallen an.

Der Staat schaut (noch) weg

Datenschutzbehörden reagieren zögerlich. Während Google, Amazon und Co. in der Onlinewelt längst unter der Lupe stehen, wird der vernetzte PKW noch stiefmütterlich behandelt. Dabei ist das Auto der nächste große Datenschatz. Der Staat müsste klare Regeln schaffen, was erlaubt ist und was nicht. Doch statt Regulierung setzt man vielerorts noch auf die Selbstverpflichtung der Hersteller – ein Ansatz, der bei Social Media grandios gescheitert ist.

Vertrauen allein ist keine Strategie

Wenn ein Autohersteller sagt, deine Daten seien sicher, muss man das nicht glauben – man muss es überprüfen können. Transparente Datenrichtlinien, einfache Opt-out-Möglichkeiten, klare Ansprechpartner – all das fehlt bei vielen Marken noch komplett. Verbraucher sind auf blinden Glauben angewiesen. Und das in einem Sektor, der wie kein zweiter mit Milliardeninvestitionen und geopolitischen Interessen verflochten ist.

Wer fährt, der liefert

Das Auto als Datenlieferant – diese Realität ist da, ob wir sie wollen oder nicht. Und mit dem Siegeszug der E-Mobilität, Over-the-Air-Updates und autonomem Fahren wird sich das nur noch intensivieren. Wer heute ein modernes Fahrzeug kauft, sollte sich dessen bewusst sein. Es geht nicht nur darum, ob das Navi funktioniert oder der Spurhalteassistent piepst – es geht darum, wer dich auf Schritt und Tritt digital begleitet. Und was diese digitalen Spuren irgendwann über dich verraten könnten.

Daten sammeln auf vier Rädern

Moderne Autos sind wandelnde Sensorfarmen. Kameras überwachen den Innenraum, Mikrofone erkennen Sprachbefehle, GPS-Module zeichnen jede Route auf. Beschleunigungssensoren, Bremsanalysen, Lenkwinkel – jedes noch so kleine Manöver landet im Speicher. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die reine Fahrzeugsteuerung, sondern um das umfassende Nutzerprofil. Wann fährst du wohin, wie lange bleibst du dort, wie ist dein Fahrstil? Diese Daten ergeben ein erstaunlich präzises Bild der Persönlichkeit und des Alltags.

Nichts bleibt unbeobachtet

Durch die Kombination verschiedenster Systeme entsteht eine lückenlose Dokumentation. Navigationssysteme speichern nicht nur Ziele, sondern analysieren, ob sie regelmäßig angefahren werden. Infotainmentsysteme merken sich Lieblingssongs, Podcasts und sogar, wann du telefonierst. Moderne Autos sind darauf ausgelegt, möglichst viele Touchpoints zwischen Fahrer und System zu schaffen. Jede Interaktion wird gespeichert, jedes Verhalten interpretiert. Das Ziel: Mehr Komfort, mehr Sicherheit – aber auch mehr Wissen über den Nutzer.

Die Cloud wartet schon

Viele Fahrzeuge synchronisieren sich permanent mit Cloud-Diensten. Sobald das Auto mit dem Internet verbunden ist – sei es über integrierte SIM-Karten oder per Smartphone-Tethering – fließen die gesammelten Daten in Rechenzentren der Hersteller. Dort werden sie gespeichert, verarbeitet, ausgewertet. Was in der Theorie anonymisiert passiert, lässt sich in der Praxis oft rückverfolgen. Insbesondere dann, wenn Benutzerprofile mit persönlichen Informationen wie Telefonnummer, E-Mail-Adresse oder Fahrzeugidentifikationsnummer verknüpft sind.

Personalisierung als Lockmittel

Autofahrer gewöhnen sich schnell an die personalisierten Vorschläge ihres Fahrzeugs. Sitzposition, Temperatur, bevorzugte Navigationsziele – alles lässt sich speichern und bei Fahrtantritt automatisch anpassen. Diese Features erhöhen den Komfort spürbar, gleichzeitig steigt die Datentiefe mit jeder Nutzung. Der Mensch wird zum gläsernen Verkehrsteilnehmer, dessen Vorlieben, Schwächen und Routinen systematisch erfasst werden. Die Grenze zwischen intelligenter Unterstützung und gezielter Überwachung ist dabei schwer zu ziehen.

Algorithmen hinter dem Lenkrad

Künstliche Intelligenz spielt in modernen Autos eine zentrale Rolle. Sie lernt aus dem Verhalten des Fahrers, analysiert Muster und trifft Vorhersagen. Diese Algorithmen benötigen große Datenmengen, um effizient zu funktionieren. Was als Fortschritt verkauft wird, bedeutet gleichzeitig den Verzicht auf Anonymität. Die Systeme sind darauf ausgelegt, individuelles Fahrverhalten genau zu erkennen. Dadurch wird es möglich, Profile zu erstellen, die weit über das hinausgehen, was Versicherungen oder Leasinganbieter je erfassen konnten.

Der Bordcomputer weiß alles

Wer glaubt, dass nur aktive Nutzungen Daten erzeugen, liegt falsch. Auch im Stand sammelt das Auto Informationen. Sensoren überwachen Reifendruck, Batterie, Türen, Fenster, Licht – alles wird in Logdateien geschrieben. Selbst kleinste Ereignisse wie das Öffnen des Kofferraums oder der Moment, in dem ein Smartphone angeschlossen wird, werden gespeichert. Auch wenn man sich von Experten für Lauschabwehr Schwachpunkte auswerten lässt, hat man keine Möglichkeit, das Datensammeln abzuschalten. Die permanente Selbstbeobachtung ist notwendig für Diagnosen und Updates, öffnet aber Tür und Tor für Datenauswertung in bisher unbekannter Tiefe.

Versicherungen und Datenhunger

Immer mehr Versicherer bieten Telematik-Tarife an, die sich auf das Fahrverhalten stützen. Wer langsam fährt, selten bremst und keine Nachtfahrten unternimmt, zahlt weniger. Die dafür notwendigen Daten kommen direkt aus dem Fahrzeug. Der Zugang zu diesen Daten wird von vielen Herstellern ermöglicht – oft mit dem Versprechen, dass alles freiwillig sei. Doch der wirtschaftliche Druck, günstige Tarife nur bei Datenfreigabe zu gewähren, lässt die Freiwilligkeit schnell verschwinden. Die Daten werden zum Zahlungsmittel.

Hersteller sitzen am längeren Hebel

Die Kontrolle über die gesammelten Informationen liegt in der Regel beim Fahrzeughersteller. Zwar haben Nutzer laut DSGVO ein Recht auf Auskunft, Löschung und Korrektur – doch wie diese Rechte im Detail durchgesetzt werden, ist oft unklar. Viele Systeme lassen sich nicht vollständig deaktivieren, und selbst nach einer vermeintlichen Löschung können sich Kopien in Cloud-Backups befinden. Transparenz sieht anders aus, und echte Kontrolle bleibt die Ausnahme.

Dritte im Datenboot

Nicht nur die Hersteller profitieren von den gesammelten Informationen. Werkstätten, Zulieferer, App-Entwickler und selbst Werbepartner erhalten über Schnittstellen Zugriff auf relevante Daten. Die Offenheit der Systeme wird zwar mit Serviceverbesserung begründet, doch in der Realität ist der Zugang zu personenbezogenen Daten ein begehrtes Gut. Je mehr Unternehmen involviert sind, desto schwieriger wird es, die Datenflüsse nachzuvollziehen. Das Auto wird zur Plattform – mit allen Konsequenzen für den Datenschutz.

Digitalisierung trifft Realität

Die Euphorie über smarte Mobilität blendet oft aus, dass mit jedem Fortschritt auch Kontrollverlust einhergeht. Wer ein modernes Auto fährt, hinterlässt ständig Spuren. Diese Spuren sind wertvoll – für die Hersteller, für Partnerfirmen, für die Werbewirtschaft. Für den Fahrer oder die Fahrerin bleibt oft nur das Vertrauen, dass mit diesen Daten verantwortungsvoll umgegangen wird. Ob das gerechtfertigt ist, steht auf einem anderen Blatt.

BYD auf dem Vormarsch

Der chinesische Autohersteller BYD ist längst kein Exot mehr, sondern eine ernstzunehmende Konkurrenz für europäische Marken. Besonders im Segment der Elektromobilität prescht das Unternehmen mit voller Wucht auf den Markt. Modelle wie der Dolphin oder der Seal kombinieren hohe Reichweite, moderne Technik und aggressive Preise. Doch genau diese Schnelligkeit und Innovationsfreude wecken Skepsis, vor allem beim Thema Datenschutz. Denn bei BYD geht es nicht nur um Autos, sondern auch um Daten – und deren potenziellen Weg zurück nach China.

Misstrauen fährt mit

In Europa wächst die Sorge, dass Fahrzeuge chinesischer Hersteller wie BYD persönliche Informationen sammeln und diese außerhalb der EU speichern oder sogar an staatliche Stellen weitergeben könnten. Die Rechtslage in China erlaubt dem Staat, jederzeit Zugriff auf Unternehmensdaten zu verlangen. Genau hier liegt der Knackpunkt: Während europäische Datenschutzgesetze eine klare Zweckbindung und Nutzerkontrolle vorschreiben, existieren in China umfassende Regelungen zur staatlichen Überwachung. Wenn BYD-Daten auf chinesischen Servern landen, ist die Kontrolle für europäische Nutzer faktisch verloren.

Intransparente Praktiken

Kritik entzündet sich besonders an der fehlenden Transparenz. BYD macht bislang keine detaillierten Angaben dazu, welche Daten erhoben werden, wo sie gespeichert sind und welche Dritten darauf zugreifen können. Zwar versichert das Unternehmen, sich an lokale Gesetze zu halten, doch genaue Mechanismen der Datensicherheit bleiben vage. Diese Unklarheit ist ein rotes Tuch für Datenschützer, die eine detaillierte Offenlegung der Datenpraktiken fordern – bislang vergeblich.

Studie zeigt: Datenschutz als Kaufkriterium

Laut einer aktuellen Studie sehen 43 Prozent der deutschen Autofahrer Datenschutzbedenken als Ausschlusskriterium für den Kauf eines chinesischen Autos. Dieses Ergebnis zeigt deutlich, wie stark das Thema Datenschutz mittlerweile ins Bewusstsein der Verbraucher gerückt ist. Während früher Leistung, Design oder Preis ausschlaggebend waren, rückt heute die Frage nach dem Schutz persönlicher Daten in den Vordergrund. Und gerade bei Herstellern aus Staaten mit schwachem Datenschutz stehen die Ampeln auf Vorsicht.

Lobbying gegen Verbote

BYD versucht, mit europafreundlichem Marketing Vertrauen zu schaffen. In Deutschland wird mit klaren Botschaften geworben, die Sicherheit und Technik betonen, während das Thema Datenverarbeitung gezielt ausgeklammert wird. Parallel laufen intensive Lobbying-Bemühungen, um potenzielle Handelshemmnisse aufgrund von Datenschutzbedenken zu verhindern. Die Strategie: Vertrauen schaffen durch technologische Überlegenheit und betonte Kooperationsbereitschaft – ohne sich auf unangenehme Details einzulassen.

Die Frage nach dem Datenfluss

Ein zentrales Problem liegt in der fehlenden technischen Nachvollziehbarkeit. Selbst wenn BYD zusichert, Daten nur lokal zu verarbeiten, fehlt oft eine unabhängige Überprüfung. Anders als bei westlichen Herstellern mit langjähriger Präsenz in der EU, gibt es bei BYD kaum öffentlich dokumentierte Audits oder Zertifizierungen durch europäische Datenschutzbehörden. Die Frage, ob und wie Fahrzeugdaten in China verarbeitet oder gespeichert werden, bleibt damit unbeantwortet.

Chinesisches Recht kennt keine Privatheit

Ein Blick in das chinesische Sicherheitsgesetz offenbart eine Realität, die sich fundamental vom europäischen Datenschutzverständnis unterscheidet. Unternehmen sind dort verpflichtet, Daten auf Anfrage an Behörden herauszugeben – ohne richterliche Anordnung oder besondere Hürden. Für europäische Kunden bedeutet das: Selbst wenn BYD verspricht, keine Daten weiterzugeben, kann es dazu gezwungen werden. Der Schutz endet an der Landesgrenze, und genau hier beginnt das Problem.

Regulatorischer Graubereich

In der EU ist die Verarbeitung personenbezogener Daten außerhalb des europäischen Rechtsraums nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Die Datenschutz-Grundverordnung schreibt klare Vorgaben vor – unter anderem die Notwendigkeit eines „angemessenen Datenschutzniveaus“. Doch ob dieses bei einem chinesischen Konzern wie BYD gegeben ist, bleibt unklar. Der Datentransfer ist damit juristisch heikel, doch es fehlen klare Präzedenzfälle, wie mit dieser Problematik im Automobilsektor konkret umgegangen werden soll.

Technologische Abhängigkeit

Hinzu kommt, dass viele chinesische Fahrzeuge zunehmend auf vernetzte Systeme setzen, etwa beim Laden, Navigieren oder bei Software-Updates. Diese Dienste sind auf permanente Kommunikation mit zentralen Servern angewiesen. Ob diese in Europa oder in China stehen, ist aus Nutzerperspektive oft nicht nachvollziehbar. Gerade durch Over-the-Air-Updates entstehen Datenflüsse, die außerhalb jeder Kontrolle liegen. Das Risiko, dass sensible Informationen dabei unbemerkt in nicht-europäische Hände geraten, ist real.

Vertrauen muss verdient werden

Solange BYD keine nachvollziehbaren Konzepte zur Einhaltung europäischer Datenschutzstandards vorlegt, bleibt Misstrauen die logische Folge. Verbraucher wünschen sich klare Informationen, unabhängige Prüfungen und echte Kontrolle über ihre Daten. Was bisher bleibt, sind Versprechen und Imagekampagnen. Doch Datenschutz ist kein PR-Thema, sondern eine Frage der Grundrechte. Und wer in Europa Autos verkaufen will, muss auch europäische Standards einhalten – auf der Straße wie in der Cloud.

Google fährt mit – und weiß Bescheid

Immer mehr Fahrzeughersteller setzen auf Android Automotive als Betriebssystem. Das klingt praktisch: ein vertrautes Interface, nahtlose Integration mit Google Maps, Assistant, Play Store und YouTube Music. Aber was bequem ist, hat seinen Preis. Denn Google nutzt seine Systeme nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern um Daten zu sammeln, Nutzerprofile zu verfeinern und seine Werbemaschine weiter zu optimieren. Das Auto wird dadurch zur mobilen Google-Zentrale – mit direkter Verbindung ins digitale Herz des Konzerns.

Android Automotive als Trojanisches Pferd

Android Automotive unterscheidet sich grundlegend von Android Auto. Während letzteres nur die Smartphone-Oberfläche aufs Display spiegelt, ist Automotive fest ins Fahrzeug integriert. Das bedeutet: Google hat nicht nur Zugriff auf App-Daten, sondern potenziell auf Fahrzeugsensoren, Standortdienste und Nutzungsverhalten. Welche Daten konkret erhoben werden, hängt von der Implementierung ab – doch der Standardumfang ist weitreichend. Und selbst wenn Autohersteller sich die Hoheit über gewisse Daten vorbehalten, läuft vieles trotzdem über Google-Server.

Datenschutzerklärung im Kleingedruckten

Kaum jemand liest die Google-Datenschutzerklärung beim ersten Start des Infotainmentsystems aufmerksam durch. Dabei ist sie entscheidend: Wer zustimmt, erlaubt dem Konzern den Zugriff auf eine Vielzahl von Informationen, darunter Spracheingaben, Positionsdaten, Nutzungsmuster und Interaktionen mit dem System. Diese Daten können laut Google zur Verbesserung der Dienste, aber auch für personalisierte Werbung genutzt werden. Die Kontrolle über diese Datennutzung liegt nicht beim Fahrer, sondern bei Google – eine Asymmetrie, die kritischer nicht sein könnte.

Der Fahrstil als Werbeparameter

Durch die Einbindung von Google Maps und Assistant kann der Konzern feststellen, wann ein Nutzer zur Arbeit fährt, wie lange er im Stau steht, welche Orte er meidet, wann er eine Pause macht. Kombiniert mit externen Datenquellen wie Google-Suchverläufen oder Kalendern entsteht ein umfassendes Nutzerprofil. Dieses Wissen wird nicht nur zur Routenoptimierung verwendet, sondern auch für die gezielte Ansprache mit Werbeinhalten. Wer regelmäßig Fast-Food-Lokale anfährt, bekommt Angebote von Lieferdiensten, und wer häufig auf der Autobahn pendelt, wird zur Zielgruppe für Podcasts und E-Mobilitätsprodukte.

Sprachassistent als Datenquelle

Google Assistant ist längst mehr als ein digitaler Butler. Er hört ständig mit, analysiert Sprachmuster, erkennt Kontexte und speichert Anfragen. Im Auto wird diese Funktion zur echten Datenschleuder. Denn anders als im Wohnzimmer ist im Fahrzeug jede Sprachinteraktion an eine Situation gekoppelt: eine Adresse, ein Ziel, eine Tageszeit. Diese Kontexte lassen sich in Kombination mit Bewegungsdaten extrem genau analysieren. Der Assistent weiß nicht nur, was du willst – sondern auch, wann, wo und warum.

Das Betriebssystem, das mehr weiß als du selbst

Android Automotive ist tief in das Fahrzeug eingebettet. Es kann mit der Klimaanlage, den Sitzheizungen, dem Energieverbrauch, dem Ladevorgang und sogar mit der Innenraumüberwachung kommunizieren. Diese Vernetzung ist technisch brillant, datenschutzrechtlich aber eine Katastrophe. Denn die Kombination aus Fahrzeugdaten und Nutzerverhalten ermöglicht eine beispiellose Granularität in der Analyse. Wer wie lange fährt, wo er Pause macht, ob er dabei telefoniert oder Musik hört – all das ist technisch nachvollziehbar, speicherbar und potenziell monetarisierbar.

Google verdient an jedem Kilometer

Die Wirtschaftlichkeit von Android Automotive basiert nicht auf dem Verkauf der Software, sondern auf der Nutzung der Dienste. Je mehr Menschen die Plattform verwenden, desto mehr Daten entstehen, die zur Verbesserung von Algorithmen, zur Steuerung von Werbung und zur Entwicklung neuer Produkte genutzt werden können. Jeder gefahrene Kilometer, jede Interaktion, jede Sprachsuche füttert Googles System. Dabei bleibt die tatsächliche Datenhoheit diffus. Zwar können manche Erfassungen deaktiviert werden, doch viele sind tief im System verankert und für den Nutzer nicht einsehbar.

Unterschiedliche Standards je nach Autohersteller

Nicht jeder Autohersteller lässt Google komplett ins System. Manche behalten Teile der Steuerung in eigenen Händen, schränken den Datenfluss ein oder entwickeln eigene Alternativen. Doch wo Android Automotive in Reinform läuft, hat Google oft weitreichenden Zugriff. Der Nutzer erfährt davon wenig, denn die Unterschiede zwischen den Implementierungen sind kaum dokumentiert. Die Verantwortung für den Datenschutz wird so von einem Akteur zum anderen geschoben – und am Ende bleibt der Fahrer im Unklaren.

Offene Schnittstellen, geschlossene Informationen

Google bietet Autoherstellern mächtige Schnittstellen zur Integration von Fahrzeugdaten in eigene Apps. Doch der umgekehrte Weg – nämlich Nutzerinnen und Nutzern den Einblick in die Datenerhebung zu ermöglichen – ist verschlossen. Transparente Dashboards, detaillierte Auflistungen oder Echtzeitinformationen über den Datenfluss fehlen komplett. Die Plattform präsentiert sich benutzerfreundlich, doch was im Hintergrund passiert, bleibt ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis. Für Datenschützer ist das ein unhaltbarer Zustand.

Vertrauen unter der Motorhaube

Die Entscheidung für ein Auto mit Android Automotive ist auch eine Entscheidung für Google. Wer sich darauf einlässt, sollte wissen, worauf er sich einlässt. Denn das System liefert nicht nur Navigation und Musik, sondern auch ein detailliertes Bild des eigenen Lebensstils – in Echtzeit, vollautomatisch und weitgehend ohne Kontrolle. Während der Konzern Datenschutzrichtlinien bekennt, bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Warum braucht ein Softwareunternehmen so viele Informationen aus einem privaten Fahrzeug? Und wie lässt sich diese Datensammelwut mit den europäischen Grundrechten vereinbaren?

Die Schatten der Vergangenheit

Moderne Autohersteller und Technologiekonzerne preisen ihre Systeme gern als sicher und datenschutzkonform. Doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass solche Versprechen oft brüchig sind. Eines der bekanntesten Beispiele ist Googles „Street View“-Skandal, bei dem der Konzern unbemerkt WLAN-Daten und sogar Inhalte aus unverschlüsselten Netzwerken sammelte – weltweit. Die Empörung war groß, die Konsequenzen überschaubar. Genau solche Vorfälle nähren heute die Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit datengetriebener Systeme in Fahrzeugen.

Datenschutz in modernen Autos: Risiken bei BYD und Google auf kfzpamperl.at
Unterwegs geben wir mehr Daten preis, als wir glauben

Aus dem Skandal nichts gelernt

Auch wenn die Öffentlichkeit mittlerweile deutlich sensibler auf Datenschutzverstöße reagiert, haben sich viele Konzerne wenig bewegt. Die Mechanismen der Datensammlung sind raffinierter geworden, die Erklärungen juristisch sauber formuliert – doch an der grundlegenden Dynamik hat sich nichts geändert. Noch immer dominieren Intransparenz, schwache Kontrolle und schwammige Verantwortlichkeiten. Die Geschichte zeigt: Wer Daten erheben kann, tut es – solange niemand ihn daran hindert.

Vom Autohersteller zum Datenhändler

Ein Beispiel aus der Automobilbranche: 2022 deckte ein deutsches Rechercheteam auf, dass ein namhafter europäischer Hersteller Fahrdaten seiner Kunden ohne deren explizite Zustimmung an externe Dienstleister weitergeleitet hatte. Die Informationen beinhalteten unter anderem Standortverläufe, Bremsverhalten und Lenkraddrehungen. Die Empörung war groß, doch juristische Folgen blieben erneut aus. Stattdessen argumentierte das Unternehmen, die Daten seien notwendig zur Verbesserung des Kundenservices. Solche Vorfälle zeigen, wie weit verbreitet die Praxis ist – selbst bei Marken mit gutem Ruf.

Der ADAC warnt

In einem viel beachteten Bericht untersuchte der ADAC verschiedene Fahrzeugmodelle auf ihr Datenverhalten. Das Ergebnis war alarmierend: Keines der getesteten Autos informierte umfassend darüber, welche Daten erhoben und wohin sie übermittelt werden. Besonders kritisch: Viele Systeme sendeten kontinuierlich Informationen an externe Server, ohne dass der Fahrer diese Funktion deaktivieren konnte. Der Automobilclub forderte eine gesetzliche Nachschärfung und mehr Transparenz – doch die Reaktionen der Industrie fielen zurückhaltend aus.

Auf dem Papier geschützt

Die Datenschutz-Grundverordnung soll eigentlich sicherstellen, dass Nutzer jederzeit Kontrolle über ihre personenbezogenen Daten haben. Doch die Realität ist komplizierter. In vielen Fällen bleibt unklar, ob die im Fahrzeug erhobenen Daten überhaupt als personenbezogen gelten. Hersteller argumentieren, es handle sich um technische Betriebsdaten – dabei lassen sich mit wenigen Informationen komplette Bewegungsprofile erstellen. Diese Lücke zwischen Gesetz und Anwendung ist ein Einfallstor für Missbrauch.

Fahrzeug als Überwachungseinheit

Zahlreiche Fahrzeuge verfügen heute über Innenraumkameras, Mikrofone und Bewegungsmelder. Ursprünglich gedacht für Sicherheitssysteme oder die Erkennung von Müdigkeit, können diese Sensoren weitaus mehr. In den USA wurde 2023 bekannt, dass ein Hersteller Kameraaufnahmen aus dem Innenraum an seine Entwicklerteams weitergeleitet hatte – zur „Qualitätssicherung“. Die Nutzer hatten davon keine Kenntnis. Der Fall führte zu einer öffentlichen Entschuldigung, aber nicht zur Abschaltung der Funktion.

Keine Rücknahme der Kontrolle

Einmal freigegebene Daten lassen sich kaum zurückholen. Selbst wenn ein Nutzer nachträglich widerspricht, bleibt unklar, was mit den bereits gespeicherten Informationen passiert. Viele Hersteller sichern sich in ihren AGBs umfassende Rechte, speichern Daten in internationalen Cloud-Diensten und geben sie an Partnerunternehmen weiter. Die Vorstellung, man könne im Nachhinein die Kontrolle zurückgewinnen, ist illusorisch. Das System ist auf Einbahnstraßen ausgelegt – mit offenen Endpunkten.

Fehlende rechtliche Sanktionen

Trotz zahlreicher Datenschutzverstöße fehlt es an wirksamen Sanktionen. Zwar können Aufsichtsbehörden Bußgelder verhängen, doch in der Praxis geschieht das nur selten – und meist in überschaubarem Ausmaß. Gleichzeitig fehlt es an technischer Kompetenz und personellen Ressourcen, um komplexe Fahrzeugarchitekturen im Detail zu prüfen. Diese strukturelle Schwäche der Behörden wird von den Konzernen bewusst ausgenutzt. Der Datentransfer bleibt unkontrolliert, die Verantwortung diffus.

Vertrauen in der Krise

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es ohne Kontrolle keine Sicherheit gibt. Hersteller und Technologiekonzerne versprechen zwar Datenschutz und Datensicherheit, doch konkrete Verstöße treten immer wieder zutage. Die Glaubwürdigkeit dieser Versprechen ist durch zahlreiche Vorfälle massiv beschädigt. Statt Vertrauen aufzubauen, müssen Verbraucher und Datenschützer derzeit vor allem eines tun: wachsam bleiben. Denn was technisch möglich ist, wird oft auch gemacht – egal, was in der Werbung steht.

Lernen aus alten Fehlern

Nur wer sich mit den Fehlern der Vergangenheit auseinandersetzt, kann Datenschutz im Fahrzeug glaubwürdig umsetzen. Transparenz, Rückverfolgbarkeit und echte Kontrolle müssen zur Standardausstattung jedes vernetzten Autos gehören. Solange das nicht der Fall ist, bleiben Zweifel nicht nur berechtigt, sondern notwendig. Die Geschichte hat gezeigt, wie schnell aus Komfort Kontrolle wird – und wie schwer es ist, verlorenes Vertrauen wiederherzustellen.

Europa auf dem Beifahrersitz

In der Theorie schützt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) persönliche Daten mit strengen Regeln und hohen Bußgeldern. Doch wenn es um vernetzte Fahrzeuge geht, fehlt es an klaren Vorgaben. Viele Regelungen sind nicht auf Autos zugeschnitten, sondern stammen aus einer Zeit, in der mobile Endgeräte noch keine vier Räder hatten. Das macht die Anwendung kompliziert, die Durchsetzung schwach und die Kontrolle lückenhaft. Während Tech-Firmen und Autohersteller munter Daten sammeln, stehen Behörden oft ratlos daneben.

Definitionssache mit Folgen

Ein Kernproblem liegt in der Einstufung von Fahrzeugdaten. Nicht alle Informationen, die ein Auto sammelt, gelten automatisch als personenbezogen. Hersteller klassifizieren Bewegungsdaten, Diagnosedaten oder Nutzungsverhalten häufig als „technische Betriebsdaten“. Damit umgehen sie zentrale Bestimmungen der DSGVO. Doch in Kombination mit anderen Daten lassen sich daraus individuelle Nutzerprofile erstellen. Die Gesetzeslage hinkt dieser technischen Realität hinterher und lässt einen gefährlichen Graubereich entstehen.

Wenn der Schlüssel zum Spion wird

Moderne Autoschlüssel sind keine simplen Funksender mehr, sondern multifunktionale Geräte, die Profile aktivieren, Komforteinstellungen laden und Verbindungen zu Smartphones aufbauen. Dabei werden Daten übertragen, die Rückschlüsse auf den Nutzer ermöglichen. Manche Systeme speichern, wann das Fahrzeug geöffnet wurde, wie oft der Motor gestartet wurde und wie lange Fahrten dauerten. Auch hier ist unklar, ob und wie lange diese Daten gespeichert werden, wer darauf Zugriff hat und ob sie in Drittländer übertragen werden dürfen.

Politischer Stillstand

Obwohl Datenschützer seit Jahren auf die Problematik aufmerksam machen, bleibt die politische Reaktion schwach. Die EU-Kommission hat zwar angekündigt, den digitalen Binnenmarkt auch für den Automobilsektor zu regulieren, konkrete Maßnahmen lassen aber auf sich warten. Der Data Act oder der AI Act behandeln Teile der Problematik, doch der spezifische Kontext vernetzter Fahrzeuge wird dabei kaum berücksichtigt. Es fehlt ein europäischer Rechtsrahmen, der die technischen Möglichkeiten der Industrie mit den Grundrechten der Bürger in Einklang bringt.

Der Einfluss der Auto-Lobby

Ein wesentlicher Grund für die regulatorische Zurückhaltung ist der starke Einfluss der Autoindustrie. Hersteller und Verbände warnen vor Innovationshemmnissen und betonen die Wichtigkeit freier Datenflüsse für die Entwicklung autonomer Fahrfunktionen. In dieser Argumentation bleibt der Datenschutz oft auf der Strecke. Statt einer klaren Interessenabwägung dominiert das wirtschaftliche Kalkül. Die Forderung nach Transparenz wird zur Nebensache, wenn sie mit Geschäftsmodellen kollidiert, die auf Datennutzung basieren.

Verbraucherrechte unter der Haube

Für Verbraucher ist es nahezu unmöglich, zu erkennen, welche Daten ihr Fahrzeug sammelt, wie sie verarbeitet werden und an wen sie weitergegeben werden. Die Informationen dazu sind versteckt, unvollständig oder juristisch verklausuliert. Selbst bei gezielter Nachfrage erhalten Nutzer oft keine vollständigen Auskünfte. Einige Hersteller bieten Online-Portale an, doch deren Funktionsumfang ist beschränkt. Das Recht auf Auskunft bleibt damit oft ein Papiertiger – technisch kaum umsetzbar und praktisch nicht durchsetzbar.

ADAC als Stimme der Vernunft

Der ADAC und andere Verbraucherschutzorganisationen fordern seit Jahren klare Regelungen und verpflichtende Offenlegung der Datenströme im Auto. Sie schlagen vor, ein zentrales Datencockpit zu schaffen, das dem Nutzer ermöglicht, genau zu sehen, welche Daten wann erfasst werden. Auch die Möglichkeit, einzelne Funktionen abzuschalten, sollte verpflichtend vorgesehen sein. Bisher verhallt diese Forderung weitgehend ungehört. Die Industrie verweist auf Sicherheitsbedenken, wenn zu viel Kontrolle in Nutzerhand liegt.

Datenkontrolle als Luxus

Einige Premiummarken bieten gegen Aufpreis individuelle Datenschutzeinstellungen oder die Möglichkeit, bestimmte Online-Dienste zu deaktivieren. Damit wird Datenschutz zur Frage des Budgets. Wer es sich leisten kann, bekommt mehr Kontrolle, wer im günstigeren Segment kauft, bleibt gläsern. Dieses Modell widerspricht dem Grundsatz der Gleichheit und zementiert eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im digitalen Raum. Datenschutz als kostenpflichtiges Extra widerspricht jeder Vorstellung von informationeller Selbstbestimmung.

Aufsichtsbehörden im Rückspiegel

Zuständige Datenschutzbehörden sind oft technisch unterbesetzt, haben keinen Zugang zu proprietären Fahrzeugsystemen und können die komplexen digitalen Architekturen nur schwer durchdringen. Selbst bei eindeutigen Beschwerden dauert es Monate oder Jahre, bis geprüft und entschieden wird. Diese strukturelle Schwäche untergräbt das Vertrauen in den Rechtsstaat. Solange Hersteller wissen, dass Kontrolle realistisch kaum erfolgt, bleibt der Anreiz zur Selbstbeschränkung gering.

Ohne Gesetze kein Vertrauen

Der gesetzliche Rahmen entscheidet darüber, ob Nutzerrechte mehr sind als leere Versprechungen. Solange es keine spezifische Regulierung für vernetzte Fahrzeuge gibt, bleibt der Datenschutz im Auto ein freiwilliger Bonus statt einer gesetzlichen Pflicht. Der technologische Vorsprung der Industrie gegenüber den Behörden ist groß – doch es liegt an der Politik, ihn nicht weiter wachsen zu lassen. Denn ohne klare Regeln wird das Auto zum rechtsfreien Raum auf Rädern.

Entscheidung mit Risiko

Wer heute ein Auto kauft, entscheidet nicht nur über Farbe, Motorisierung und Ausstattung – sondern auch über die eigene digitale Souveränität. Moderne Fahrzeuge sind mehr als Fortbewegungsmittel: Sie sind datenproduzierende Maschinen, die permanent Informationen sammeln, speichern und weiterleiten. Die wenigsten Fahrerinnen und Fahrer wissen, welche Systeme aktiv sind, welche Daten wohin übertragen werden und wie sie sich schützen können. Das mangelnde Wissen trifft auf komplexe Technik und fehlende gesetzliche Vorgaben – eine gefährliche Mischung.

Die Macht der Nutzer schwindet

Früher konnte man das Radio ausschalten, das Navi ignorieren und selbst entscheiden, wie viel Elektronik man im Auto möchte. Heute ist vieles fest eingebaut, vernetzt und nicht abschaltbar. Wer moderne Komfortfunktionen nutzen will, muss häufig Datenschutzbestimmungen zustimmen, die umfassende Datennutzung erlauben. Die Wahlfreiheit schrumpft – Komfort gibt es nur gegen Einverständnis zur Überwachung. Das Fahrzeug als persönlicher Rückzugsort gehört der Vergangenheit an. Stattdessen sitzt ein digitaler Beobachter mit im Auto, der jede Fahrt analysiert.

Informationspolitik der Hersteller

Autohersteller kommunizieren das Thema Datenschutz nur oberflächlich. Auf Webseiten und in Verkaufsbroschüren dominieren Begriffe wie „intelligente Systeme“ und „individuelle Nutzererfahrung“. Was das konkret bedeutet, bleibt unklar. Wer in die Tiefe gehen will, muss sich durch seitenlange Datenschutzrichtlinien und technische Dokumente arbeiten. Diese sind meist so formuliert, dass juristisch alles abgedeckt ist – aber kaum jemand versteht, was tatsächlich passiert. Die Intransparenz ist kein Zufall, sondern System.

Schutzmaßnahmen in Eigenregie

Verbraucher, die sich aktiv schützen wollen, stoßen schnell an Grenzen. Viele Systeme lassen sich nur eingeschränkt deaktivieren. Manche Funktionen, etwa Ortungsdienste oder Sprachassistenten, sind tief in die Fahrzeugarchitektur integriert. Wer einzelne Dienste abschalten will, riskiert Funktionsverluste oder Fehlermeldungen. Die Fahrzeuge sind nicht für Selbstbestimmung konzipiert, sondern für maximale Datennutzung. Selbst technikaffine Nutzer können kaum kontrollieren, was im Hintergrund passiert – der Normalverbraucher hat praktisch keine Chance.

Hersteller in der Bringschuld

Technologisch ist es längst möglich, transparente Dashboards, einstellbare Datenschutzniveaus und einfache Opt-out-Optionen zu integrieren. Doch kaum ein Hersteller macht davon Gebrauch. Der Grund ist offensichtlich: Daten sind ein wertvolles Gut, das sich vermarkten lässt. Ein Auto, das viel über seinen Nutzer weiß, ist für Versicherer, Mobilitätsanbieter und Werbeplattformen attraktiver. Der Datenschutzkonflikt ist damit kein technisches Problem, sondern eine bewusste unternehmerische Entscheidung – gegen Nutzerinteressen und für monetäre Interessen.

Aufklärung als Schlüssel

Solange Hersteller nicht verpflichtet werden, ihre Kunden umfassend über Datenerhebung und -verwendung zu informieren, bleibt Aufklärung Aufgabe von Medien, Verbraucherschützern und Datenschützern. Informationskampagnen, unabhängige Tests und klare Handlungsempfehlungen sind entscheidend, um das Bewusstsein zu schärfen. Wer ein Fahrzeug kauft, sollte wissen, welche digitalen Komponenten darin verbaut sind – und welche Rechte und Risiken damit einhergehen. Nur informierte Konsumentinnen und Konsumenten können bewusst entscheiden, welche Art von Technik sie in ihr Leben lassen.

Datenschutz als Qualitätsmerkmal

In einer Zeit, in der Fahrzeuge sich technisch immer ähnlicher werden, kann Datenschutz zum Differenzierungsmerkmal werden. Hersteller, die freiwillig auf Transparenz, Nutzerkontrolle und Datensparsamkeit setzen, könnten damit Vertrauen aufbauen – und sich langfristig vom Wettbewerb abheben. Doch bisher fehlt dieser Mut. Stattdessen dominiert das Prinzip der maximalen Datenauswertung bei minimaler Offenlegung. Der Wunsch nach Datenschutz wird ignoriert, solange er sich nicht direkt auf Verkaufszahlen auswirkt.

Der politische Auftrag

Es ist Aufgabe der Gesetzgeber, Rahmenbedingungen zu schaffen, die technologische Innovation mit Grundrechten vereinbaren. Der Schutz persönlicher Daten darf kein optionales Extra sein, sondern muss zum Standard werden. Dazu gehören klare Informationspflichten, technische Mindestanforderungen und effektive Kontrollinstanzen. Nur wenn Regulierung greift, entsteht echter Spielraum für Verbraucherautonomie. Ohne gesetzlichen Druck werden sich wirtschaftliche Interessen immer durchsetzen – auf Kosten der persönlichen Freiheit.

Verantwortung der Industrie

Die Autoindustrie darf sich nicht länger hinter technischen Innovationen verstecken. Wer intelligente Systeme verkauft, muss auch intelligente Datenschutzkonzepte liefern. Dazu gehört nicht nur die Einhaltung von Gesetzen, sondern eine aktive Rolle im Aufbau vertrauenswürdiger digitaler Infrastruktur. Das Auto der Zukunft darf kein Überwachungsapparat sein. Es braucht eine klare Trennung zwischen Funktionalität und kommerzieller Datennutzung. Die Verantwortung dafür liegt bei den Herstellern – nicht bei den Kunden.

Fazit

Moderne Autos sind fahrende Datenzentren mit enormem Potenzial – für Sicherheit, Komfort und Effizienz. Doch dieses Potenzial geht mit massiven Datenschutzrisiken einher, die bislang unzureichend reguliert und kommuniziert werden. Hersteller sammeln Daten in großem Stil, oft ohne echte Kontrolle durch Nutzer oder Behörden. Die Politik hat die Entwicklung verschlafen, die Industrie nutzt die Lücke. Wer heute ein Fahrzeug kauft, muss sich entscheiden: Will ich mobil sein – oder auch privat? Solange Transparenz, Wahlfreiheit und Regulierung fehlen, bleibt das moderne Auto ein Risiko für die digitale Selbstbestimmung. Es ist Zeit, den Kurs zu ändern – bevor das Vertrauen komplett auf der Strecke bleibt.